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Die Cuvée – alles gepanscht???

Updated: 4 days ago


Bei uns in Deutschland sind Cuvées noch nicht so populär wie in anderen Regionen der Welt, denn bei uns steht normalerweise jede Weinflasche für eine Rebsorte – und das ist auch entsprechend auf dem Etikett vermerkt. Jede Rebsorte hat ihr eigenes Aromenprofil und das soll eigenständig dargestellt werden.


Bei einer Cuvée werden zwei oder mehr Rebsorten miteinander verschnitten mit dem Ziel die Vorteile der jeweiligen Rebsorte zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden.

Das deutsche Synonym für Cuvée ist Verschnitt, was aber irgendwie nicht so elegant klingt.


Zunächst baut man jede Rebsorte getrennt aus und verschneidet hinterher die Weine miteinander. Das geschieht meist in einem aufwendigen Prozess mit kleinen Probereihen. Hierzu braucht es gute sensorische Fähigkeiten und viel Erfahrung. Denn wenn die Weine frisch verschnitten werden, schmecken sie noch nicht wie das Endprodukt, sondern entwickeln sich nach der Vermählung weiter und diese Entwicklung gilt es vorherzusehen.


In anderen Ländern ist es völlig normal Weine miteinander zu verschneiden, um einen möglichst harmonischen Wein zu schaffen.




Berühmte Cuvées sind z.B. Bordeaux Weine, die bei Rotweinen in der Regel aus Cabernet Sauvignon und Merlot bestehen (es sind noch weitere Rebsorten erlaubt, die aber meist nur in kleinen Mengen hinzugegeben werden). Bei Weißweinen wird oft Sauvignon Blanc, Sémillon und Muscadelle verschnitten (Entre deux mers). Hier gibt es Vorschriften für die Mengenaufteilung, aber in jeder Flasche sind mindestens zwei Rebsorten enthalten.


In Frankreich bezeichnet Cuvée eigentlich den Inhalt eines Weinfasses. Werden Weine verschnitten, spricht man von Assemblage.


Beim Châteauneuf-du-Pape sind bis zu 13 Rebsorten zugelassen, sogar weiße Sorten dürfen in den Rotwein kommen.

Eine weitere bekannte Cuvée ist der Chianti. Er besteht fast ausschließlich aus Sangiovese, dem kleine Mengen (bis zu 20 %) Cannaiolo, Syrah, Cabernet Sauvignon oder Merlot hinzugefügt werden.

Der spanische Rioja wiederum besteht zum Großteil aus Tempranillo (weit über 50 %), der mit Grenache, Mazuelo und Graciano verschnitten wird.

Der heute nicht mehr so populäre Elsässische Edelzwicker ist auch eine Cuvée aus den weißen Rebsorten, die dort vorkommen: Gutedel, Sylvaner, Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder und Gewürztraminer.

Eine besonders berühmte Cuvée ist der Champagner. Hier werden bis zu drei verschiedene rote und weiße Rebsorten getrennt zu Wein vergoren, miteinander verschnitten und dann in einer zweiten Gärung zum Schaumwein veredelt. (Aber das beschreibe ich Euch mal in einem anderen Blogtext).


Die jeweiligen genauen Rezepte der Verschnittanteile sind oft Geheimnisse der Weingüter, denn die Winzer kreieren ihren Wein so, wie sie ihn wollen. Der individuelle Wein soll die Stilistik des Weingutes darstellen, wobei hier eine Wiedererkennbarkeit beim Weingenuss erwünscht ist. Das gilt als hohe Kunst der Önologie.


Auch in Deutschland finden sich immer mehr Cuvées. Sofern der Wein aus zwei Rebsorten besteht, dürfen beide Rebsorten auf das Etikett geschrieben werden, ab drei nicht mehr! Dann ist es also mit Sicherheit eine Cuvée. Was aber nicht bedeuten muss, dass der Wein dann nicht mehr etwas Besonderes ist. Es lohnt sich hier, einfach mal das eine oder andere Produkt auszuprobieren.



Für Winzer in Deutschland (und auch im Elsass) ist der reinsortige Wein der Standard. Die Rebsorte, die auf der Flasche steht, ist zu 85% auch drin. Der Gesetzgeber erlaubt das Beimengen von 15 % eines anderen Weines ohne Verpflichtung zur Deklaration (das Fachwort heißt bezeichnungsunschädlich“). Steht auf einem Wein Riesling drauf, dürfen bis zu 15% einer anderen Rebsorte und sogar eines anderen Jahrgangs drin sein. Diese Regel gilt übrigens europaweit. Allerdings dürfen für Qualitätsweine keine Weine aus verschiedenen Ländern oder Regionen verschnitten werden, sondern nur Weine aus dem jeweiligen Weingut.


Besonders in Österreich und in Deutschland gibt es auch noch eine andere Art der Cuvée; den gemischten Satz. Hier werden unterschiedlichen Rebsorten auf einem Weinberg angepflanzt, zusammen geerntet, gepresst und dann auch gemeinsam vergoren. Da die unterschiedlichen Traubensorten jedes Jahr anders reifen, entsteht auch jedes Jahr ein neuer Wein, der in der Regel nicht mit dem Vorjahr verglichen werden kann. Spannend!




Eine Spezialität ist der württembergische Schillerwein und der badisch Rotgold. Das sind Cuvées aus Rotwein- und Weißweintrauben, die zusammen gepresst und verarbeitet werden. Das ist aber auch die einzige Ausnahme, denn beim klassischen Roséwein dürfen Rot- und Weißweine nicht verschnitten werden.


Also, gepanscht wird hier nirgends, sondern man versucht einen Wein zu produzieren, der harmonisch und ausbalanciert ist. Eine Cuvée sollte immer besser schmecken als die einzelnen Grundweine.


Lasst Euch überraschen und viel Spaß beim Ausprobieren.


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